2021

Jahresbrief Lügenmuseum & Kunst der Lüge

Schneeflocken beim Fallen beobachten, das ist wie Ferien für das Gehirn. In der ereignisarmen Zeit will das Gehirn immer neue Ereignisse, sonst verkümmert es. Es ist einfach wahnsinnig interessiert an Neuigkeiten. Das Lüseum ist für das Gehirn ein neues Szenario. Da hat es jetzt richtig was zu tun.

 

Museen, in die man nur geht, um Kunst anzusehen, sind nicht mehr zeitgemäß, findet der international Creative Guide Richard von Gigantikow und führt vor, wie öffentliche Räume eine viel umfassendere gesellschaftliche Funktion erhalten können. In diesem Sinne sind Dorota und Reinhard dabei mit dem Verein Kunst der Lüge den Gasthof zu einem „Wohnzimmer“ für Radebeul zu verwandeln.   

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Klaus Liebscher zum 80. 

Eine Ausstellung. Die Bilder von Klaus Liebscher wirkten wie Wolken des Vergnügens, die durch den Tanzsaal des alten Gasthofs schwebten.

Museum to go

Ein Museum, das zu Besuch direkt nach Hause, auch bis aufs Sofa kam: Handlich und mit Liebe verpackt, führte die Box in die faszinierende Welt von Dingen, die es überhaupt nicht gibt: Zu entdecken sind unter anderem ein Orientierungsstein, ein Lügenmantra, ein Klangobjekt, ein Fragebogen und ein originales Kunstwerk.

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Internationaler Weltlügentag 

Das Lügenmuseum feierte am 1. April den Internationalen Weltlügentag – es wurde einunddreißig! 

 

Vor dreiunddreißig Jahren gründete der Künstler Reinhard Zabka den eigenen Künstlerverband VDQ. 

Vor einunddreißig Jahren gründete er im Vakuum der Wiedervereinigung das Lügenmuseum. Zum Internationalen Weltlügentag 1990 begann in seinem Sommeratelier die Geschichte eines außergewöhnlichen Museums. Der Strom der neugierigen Besucher ist seither nicht mehr abgerissen.

Chaosmanagement

In einer Kunstaktion während des Corona-Lockdowns errichtete Richard von Gigantikow in der „Komfortzone“ am Dr.-Külz-Ring, Dresden, einen Ort zum Verweilen für vorübergehende Bürger, Konsumenten und Touristen. Mit Reliquien einer untergehenden Zivilisation gewannen Zabka und Liebscher die Aufmerksamkeit der Passanten.

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Freie Kunsthalle Radebeul

Dorf schuf Kunsthalle unter freiem Himmel: Vierzehn KünstlerInnen verlegten ihr kreatives Schaffen nach außen, verließen ihre Ateliers, jene magischen Schaffensorte, an denen sich die Energien der Ideen manifestieren. Die KünstlerInnen praktizierten an verschiedenen Wochenenden von Mai bis September auf dem Dorfanger und auf den Höfen. So wurde das alte Dorf Serkowitz zu einem eigenständigen stilbildenden Kunstereignis unter freiem Himmel. Die Ergebnisse wurden für die Allgemeinheit sichtbar an Zäunen und in Vorgärten ausgestellt. Es gab musikalische Führungen, Workshops, ein Sommerfest und einen Kunstmarkt.

In acht Minuten um die Erde – eine Rundreise mit jüdischen Ohren 

                

Mobile Soundobjekte aus Möbeln auf fahrbaren Untergestellen: Wie einen Kinderwagen konnten die PassantInnen und Gäste die klingenden Objekte über den Jorge-Gomondai-Platz in Dresden schieben. Ein eigenständiges Ausstellungsprojekt, eine Soziale Skulptur im Rahmen von 1.700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland – zeitgleich mit dem Schaubudensommer 2021 auf der Hauptstraße in Dresden.

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Drei Teile einer Ausstellung

Den ersten Teil bildete die Soziale Skulptur mit mobilen Soundobjekten und zahlreichen KünstlerInnen in Dresden. In der Johanneskirche in Meißen gab es den zweiten Teil mit Altären, Objekten und Tontafeln von Marion Kahnemann, Klaus Liebscher und Reinhard Zabka. Den dritten Teil bildete die Ausstellung im Saal des Lügenmuseums mit Objekten von Marion Kahnemann, einem Stahlcello von Jan Heinke, Altären von Klaus Liebscher und Reinhard Zabka.

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Die Kinder des Olymp im Labyversum

„Freie Kunsthalle Radebeul“ und „Kunst am Fluss“ zogen – samt aller Installationen und Kunstwerke – Ende September elbabwärts auf die Elbwiesen in Kötzschenbroda. Dort kreierte die Kunstfigur Richard von Gigantikow, nun seit 22 Jahren, einen fantastischen Kunstgarten zwischen Landart, Sozialer Plastik, Happening und labyrinthischem Skulpturenpark namens Labymania, Labymenta, Labyläum, Labyratorium. In diesem Jahr: Labyversum. Die Besucher erlebten ein Spiel der schöpferischen Erfahrung, die Spontaneität und Intuition unweigerlich in Kreativität münden ließ. Zu Besuch kam die internationale Sommerschule aus MAŘÍŽ: die SOMMERSCHULE MAYRES.

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Lügenmuseum 

Der Kunst der Lüge e. V. wurde im November 2021 auf der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Soziokultur als Mitglied aufgenommen. Das eröffnete eine neue Perspektive: Eine Praktikantin und ein Bundesfreiwilliger haben das Lügenmuseum ausgewählt, um sich hier zu engagieren.
Nach zehn Jahren Aufbau ist es im Gasthof Serkowitz beispielhaft gelungen, einem denkmalgeschützten kulturellen Erbe durch kulturelle Nutzung eine Zukunft zu geben. Kreative Beispiele zeigen, wie es weitergehen könnte. Kleine und große Besu-cherInnen lieben dieses einzigartige Museum. Selbstbestimmte künstlerische Freiräume sind tragende Elemente einer demokratischen Zivilgesellschaft und bieten ein breites Angebot für die Lebensqualität. Sie gedeihen besser in Bürgerhand und können leichter auf gesellschaftlichen Wandel reagieren.  Andererseits bedarf Demokratie einer ständigen Reparatur, eines Sie gedeihen besser in Bürgerhand und können leichter auf gesellschaftlichen Wandel reagieren.  Andererseits bedarf Demokratie einer ständigen Reparatur, eines Ausgleiches der gesellschaftlichen Befindlichkeiten.

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Wir bedanken uns bei allen Freunden, Künstlern, Akteuren, Sympathisanten, interessierten Besuchern und Unterstützern für ein ereignisreiches Jahr 2021!