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Noch 77 Tage Lügenmuseum bis zum Ende

Der Verein des Lügenmuseums hat gerade zwei Bundesfreiwillige aus Venezuela und der Ukraine eingestellt, zehntausend Flyer gedruckt und Ferienaktionen für den Sommer geplant, als am 23.05.2024 die Kündigung des Oberbürgermeisters für das Kulturzentrum Lügenmuseum zum 31.08.2024 ins Haus flatterte. Eine Open-Petition blieb unbeantwortet. Zahlreiche Briefe wurden dem Oberbürgermeister geschickt, um seine Entscheidung zu überdenken. 

https://www.luegenmuseum.de/briefeanob

In der öffentlichen Bürgerstunde des Stadtrates am 12.06.2024 wurden zahlreiche Fragen zur Kündigung des Lügenmuseums gestellt. Der Oberbürgermeister erklärte, dass die Kündigung dazu diene, finanziellen Schaden von der Stadt abzuwenden. Seine Entscheidung, die im Mietvertrag vereinbarte Kündigungsfrist von einem Monat habe er großzügig auf drei Monate zu verlängern, betonte er dabei besonders. Die Vermutung des Oberbürgermeisters, dass die zukünftigen Pächter eine Pacht abgelehnt hätten ist nicht korrekt. Einen Pachtvertrag hatte die Stiftung nicht vorgelegt.

Fakt: Die Kündigungsfrist im vorläufige Mietvertrag der Stadt Radebeul 27.03.2012 mit Reinhard Zabka beträgt drei Monate und sollte vor zwölf Jahren durch einen Erbbaupachtvertrag ersetzt werden.

Vorgeschichte:

Der Stadtrat Radebeuls hatte 2023 entschieden, der Prinz Rupi Stiftung den Gasthof ohne Sanierungsauflagen zu verkaufen. Der Stifter beabsichtigte auch keinerlei Sanierung des historischen Gasthofes. Vielmehr lag sein Interesse in der Verwirklichung seiner Ideen im Kulturbetrieb. Das Interesse des Lügenmuseums war, die Sanierung des Gasthofes voranzubringen, um den Kulturbetrieb weiter abzusichern. Prinz Rupi meinte dazu, Pläne und Investitionen, wie Solardach oder Heizung, könnten die Pächter bei Auszug, gern mitnehmen. Unverhofft erfolgte der Rückzug der Stiftung vom Verkauf am 30.04.24.

13. Juni 2024

Unser Interesse ist das Lügenmuseum zu erhalten.

Wir sind offen für Lösungen.

 

Das Lügenmuseum ist ein Meilenstein auf dem Weg des aufrechten Gangs in der DDR, auf dem Weg zur Friedlichen Revolution, zur folgenden Transformation mit ihren unabgeschlossenen Verlusten und eine demokratische Kulturform auf dem Weg in die Zukunft. Wie soll man dies den Besuchern, ihren Kindern und eines Tages ihren Enkeln zeigen, wenn es einfach vernichtet wird?

 

Eine kurze Chronologie

 

  •  Seit 2007 gab keine Nutzung für den historischen Gasthof Serkowitz . Er war dem Verfall preisgegeben. Viele Radebeuler waren bedrückt über die Konzeptionslosigkeit für den ältesten Gasthof der Lößnitz.

 

  • 2012: Reinhard und Dorota Zabka mieten den Gasthof und richten das Lügenmuseum ein. Bei der ersten Besichtigung mit dem Bauamt erklärt Oberbürgermeister Bert Wendsche, dass es keine Nutzungseinschränkungen gäbe: "Herr Zabka weiß schon was er tut".

 

  • 2013: Reinhard Zabka erstellt ein 100-seitiges kulturtouristisches Konzept für den Gasthof Serkowitz als Lügenmuseum auf der Basis eines Mietkauf. Ohne Antwort der Stadt

 

  • 2014: Reinhard Zabka produziert Broschüre für die Perspektive des Gasthofs als Künstlerhaus RadebeulOhne Resonanz der Stadträte

 

  • 2021 Reinhard Zabka legt ein Konzept für den Gasthof als soziokulturelles Zentrum vorOhne Resonanz der Stadträte

 

  • 2022  Der Baubürgermeister Dr. Müller empfiehlt Herrn Zabka, wenn er den Kaufpreis auf den Tisch legen würde, würde sich der Fall erledigen. Zabkas stellt Angebot an die Stadt, den Gasthof mit einer eigenen GmbH oder Stiftung zu erwerben. Dem Oberbürgermeister gelingt es nicht, eine GmbH für die Immobilie in die Wege zu leiten. Wird abgelehnt

 

  • 2023 Eine Open Petition mit über 1433 Unterschriften + 366 Unterschriften unter den „Offenen Brief“ des Radebeuler Kultur e.V. für den Erhalt des Lügenmuseums bleibt ohne Antwort der Stadt

 

  • 2024 Es wurden neue Projekte geplant, Fördermittel beantragt, Marketingmaßnahmen angeschoben, die Besucherresonanz verstärkt sich. 30 Referenzen namhafter Persönlichkeiten belegen die Bedeutung dieses Kulturortes.

 

  • 2024 Die „Prinz Rupi Kulturstiftung“ des Herrn Frieling macht ein Kaufangebot. Das ursprüngliche Angebot, den Gasthof zu erwerben, um das Lügenmuseum ohne weitere Investitionen zu erhalten, ändert sich. Herr Frieling möchte sich in eigenen Ausstellungsräumen für eigene Projekte in diesem Gebäude verwirklichen. Er möchte nichts in die Sanierung investieren, Investitionen vom Lügenmuseum wie Solardach oder Heizung, können wir bei Auszug dann gerne wieder mitnehmen. Da darüber keine Begeisterung erzielt wurde, zieht er sein Kaufangebot zurück.

 

  • 2024 Oberbürgermeister Wendsche kündigt nach dem Abbruch der Kaufverhandlung den unbefristeten Mietvertrag mit dem Lügenmuseum.Die Kündigung ist nicht mit dem Kulturamt abgesprochen. Sie erfolgt vor der Beschlussfassung über die Kulturentwicklungskonzept, in der das Lügenmuseum als Kulturzentrum verankert ist.

 

Fakten

Das Lügenmuseum umfasst 17 Ausstellungsräume, vier Archive, vier Vor- und Nachlässe sowie eine umfangreiche Sammlung. Der Wert der Sammlung übersteigt den Wert der Immobilie um das Zehnfache. Der Wert der ehrenamtlichen Arbeit übersteigt das Fünffache des Wertes des Hauses.

Reinhard Zabka erhielt als Künstler Förderpreise des Landes Brandenburg sowie Stipendien der Akademie Schloss Solitude, des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf und Schloss Plüschow. Im Jahr 2016 wurde ihm der Kunstpreis der Stadt Radebeul verliehen. 

Für sein bürgerschaftliches Engagement erhielt der Verein folgende Preise: den Simul+Mitmachfonds des Sächsischen Landeskuratoriums Ländlicher Raum e.V. und den Preis der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt "machen!2023", verliehen von Staatsminister Carsten Schneider.

 

Ausstellungen in Japan, Indonesien, Thailand, Philippinen, Burma, Niederlande, Dänemark, Italien, Polen, Frankreich und England vernetzten das Lügenmuseum international. Daneben initiierte Reinhard Zabka mit dem Lügenmuseum zahlreiche Festivals in Indonesien und Thailand sowie internationale Symposien, Sommercamps, Open-Air-Formate. Mit hybriden und virtuellen Projekten ist er auch überregional während der Corona-Pandemie unterwegs. So wurde er beispielsweise zu Festivals nach England und Dänemark eingeladen.

 

Gefördert wurde der Verein Kunst der Lüge e. V. bisher vom Kulturland Brandenburg, der Staatskanzlei Sachsen, der Kulturstiftung des Bundes, dem Fonds Neue Länder, dem Fonds Soziokultur e. V.,  dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, der Bundesstiftung Aufarbeitung, dem Hauptstadtkulturfonds Berlin, dem Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen Sachsen, der Stadt Dresden, der Stadt Radebeul, der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, der Sparkassenstiftung Meißen, der Partnerschaft für Demokratie, der Aktion 321–2021 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V.,  dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, der Aktion Mensch e. V., dem Landkreisamt Meißen, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Kulturraum Meißen - Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und anderen. Das letzte Projekt ist das Freiluftatelier in Altkötzschenbroda zur 100 Jahre Kötzschenbroda. 

Kunst der Lüge e. V. ist Mitglied im Landesverband Soziokultur Sachsen e. V., dem Künstlerbund Dresden BBK und dem Museumsverband Brandenburg. Große überregionale Projekte waren Labystan, 30 Jahre Friedliche Revolution, Rauminszenierungen in der Zionskirche Berlin, Labylysium Kunst im öffentlichen Raum am Burgplatz Leipzig und die Ausstellung Götzen Ismen Fetische im Berliner Dom, die 35.000 Besucher anzog. So gesehen ist das Lügenmuseum ein einzigartiges unvergleichliches Kulturereignis im deutschsprachigen Raum und gleichzeitig Ausflugsziel für die ganze Familie. Ein Labor für künstlerische Prozesse entführt regionale und überregionale Besucher in die fabelhafte Welt der Fantasie. Als Liaison mit dem Underground der DDR konterkariert das Lügenmuseum augenzwinkernd die unerfüllbare Sehnsucht nach Stabilität, Heimat und ethnischer Homogenität. Seit 1990 fungiert es auch als Reparaturwerkstatt für Demokratie und sorgt für einen Ausgleich der gesellschaftlichen Befindlichkeiten. In freier Trägerschaft steht es für eine demokratische Zivilgesellschaft, für Engagement, Begeisterungsfähigkeit und Diversität.

 

 

Ende einer Win-Win-Beziehung?

 

Im Jahr 2012 beschlossen die Stadträte von Radebeul, das Lügenmuseum im alten Gasthof Serkowitz unterzubringen. Die Kritik am OB, dass er dieses historische Gebäude verfallen ließ, löste sich durch den Einzug des Lügenmuseums. Die Stadt sparte die jährlichen Ausgaben für die Immobilie und das Image der Örtlichkeit verbesserte sich wesentlich. Eine Win-Win Situation. Auch der Denkmalschutz war begeistert, als im Gasthof ein einzigartiges Gesamtkunstwerk mit dem ehrwürdigen Gebäude in einen Dialog trat. Es wurde belebt, der Verfall gestoppt und alles prozessorientiert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Der Mietvertrag hielt im Nachtrag fest, dass er bis zum Abschluss eines Erbbaupachtvertrages gültig sei. Als Vorbereitung für den Erbbaupachtvertrag haben wir im Jahr 2013 ein 100 Seiten starkes kulturtouristisches Konzept vorgelegt, jedoch erhielten wir keine Antwort, noch begannen Verhandlungen zur Vorbereitung des Erbbaupachtvertrages. Wir baten und bettelten, wurden von Wahl zu Wahl hingehalten. Seither hat sich keine Lösung oder Verbesserung der als unsicher wahrgenommenen Lage finden können.

 

Die Kündigung vernichtet unsere wirtschaftliche Existenz, zerstört ein offenherziges Kulturzentrum und ein einzigartiges Gesamtkunstwerk der Friedlichen Revolution. Sie widerspricht eklatant der Fürsorgepflicht des Staates. Der Stadtrat entschied sich gegen die Sanierung des ältesten Gasthofs der Lößnitz. Ein wirtschaftliches Interesse ist abwegig, da das Gebäude bereits viermal erfolglos zum Verkauf ausgeschrieben wurde. Viele Kommunen haben historische Gebäude und suchen dafür händeringend Inhalt, Betreiber und motivierte Personen, die etwas bewegen können. Und Radebeul hat hier einen solchen, der die Fähigkeiten besitzt, eine unabhängige Kultureinrichtung mit Alleinstellungsmerkmal aufzubauen, zu betreiben, Probleme zu lösen und partizipative Kulturtechniken weiterzugeben. Wir arbeiten an neuen Lösungsansätzen, wie beispielsweise der Gründung einer Radebeuler Bürgerstiftung, um dem Lügenmuseum regionale Wertschätzung und eine breite Einbindung zu ermöglichen.

 

Das Lügenmuseum war von Anfang an ein Ort, an dem Menschen zu verschiedenen Anlässen wie Ausstellungseröffnungen, Lesungen oder Diskussionen zusammenkommen, kreativ, offen und kritisch miteinander in Dialog treten, Neues kennenlernen und Inspiration, Energie und Freude ernten können. Hinter dem Museum stehen Künstlerinnen, Künstler und engagierte Menschen mit vielfältigen Kompetenzen, die das Lügenmuseum mit künstlerischen, ökologischen, soziokulturellen und nachhaltigen Ideen und Initiativen unterstützen. Der Künstler hat kein Interesse daran, dieses einzigartige Kulturgut von landesweiter Bedeutung wie Sperrmüll zu entsorgen.

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