Die wahren Geschichten über die Entstehung des Lügenmuseums. Ein Film von Marco Borowski, 2020.

BODENKAMMER

№ 1

Bei Sanierungsarbeiten in einem barocken Haus in der Taubengasse in Erfurt fand sich hinter einer mit Tapeten getarnten Tür eine einzigartige Kunstsammlung. War da ein Künstler abgehauen? Handelt es sich um eine verschollene Kunstsammlung? Das Stadtmuseum war nicht interessiert.   

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Foto: André Wirsig

 
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Foto: André Wirsig

STREIFZUG

№ 2

Bei einem Ausflug nach Kyritz an der Knatter entdeckten Dadaisten in einem blauen Pavillon das Museum der Emma von Hohenbüssow, die dort Dinge gesammelt hatte, die es gar nicht gibt: das Loch aus Mozarts Zauberflöte, die verschollene Kyritzer Knatter, die Silberbüchse von Winnetou. Ein Sack voll Ideen schlägt einen Bogen zum Gesamtkunstwerk im Sinne des Fluxus. 

 

FLASCHENPOST

№ 3

Eine intergalaktische Flaschenpost? Als das Lügenmuseum 2012 in den 700-jährigen Gasthof einzog, klaffte ein riesiges Loch im Dach, als wäre ein unbekanntes Flugobjekt eingeschlagen. Es regnete rein, und das historische Gemäuer ruinierte vor sich hin.  

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Foto: André Wirsig

 
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Foto: Harald Hauswald 

DEPENDANCE

№ 4

Als Dependance des geplanten Deutschen Historischen Museums in Berlin gründete der Objektkünstler Zabka im brandenburgischen Babe ein Museum, mit dem er am 1. April 1990 das Dorf weltbekannt machte. Hier konzipierte er internationale Künstlersymposien, Festivals in Asien, Berlin und Brandenburg, Ausstellungen. Den Besucherstrom fasste seine Bauernkate bald nicht mehr. So zog das Lügenmuseum 1997 in das Gutshaus Gantikow bei Kyritz, schließlich 2012 nach Radebeul in den historischen Gasthof Serkowitz. 

 

KATZE

№ 5

Als mein Herr Richard von Gigantikow aus dem Schloss Gantikow in Brandenburg vertrieben wurde, war ich auch dabei. Ich verlor mein angestammtes Zuhause, meinen Garten und die vielen Räume mit allem Pipapo, landete zwischenzeitlich in einer alten Schmiede ohne Toilette, die ich aber nicht brauchte, es gab einen Garten. Das war 2010. Als im Frühjahr 2012 vier Lastzüge mit allen Untensilien beladen wurde, sprang ich in eine Kiste und ließ mich mit verstauen. Ich war neugierig auf das Abenteuer, auf das ich mich eingelassen hatte.  

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Foto: André Wirsig

 

Foto: Studio Chiang Mai, Thailand 

IDEENMILLIONÄR

№ 6

Der Ideenmillionär Richard von Gigantikow entdeckte 2010 den leer stehenden Gasthof Serkowitz, der langsam verfiel. Bei einer Zeitreise in die weitere Vergangenheit stellte er fest, dass der Gasthof auf einem alten keltischen Kultort errichtet worden war. Im mittelalterlichen Gewölbe, hinter einem vermauerten Eingang, liegt ein Tunnel verborgen, vermutlich der Eingang eines kosmischen Wurmlochs. 

 

PIPPI-LANGSTRUMPF-MUSEUM

№ 7

Geschichten des Fabulierers Baron von Münchhausen rissen die Zuhörer mit. Seiner Erzählform folgte Astrid Lindgren mit ihrer literarischen Figur Pippi Langstrumpf. Als sie vor 70 Jahren in die Kinderzimmer einzog, wurde sie augenblicklich geliebt. Pipi lernte die Regeln erst kennen, als sie gegen diese verstieß. Beide haben Richard von Gigantikow inspiriert, ein eigenes Museum zu gründen.  

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Foto: André Wirsig

 
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Foto: André Wirsig

SINNLOSE WEIHNACHTS-GESCHENKE

№ 8

Berliner Sommergäste entdeckten auf dem Boden eines leer stehenden Gutshauses im Brandenburgischen Schachteln und Päckchen mit den unausgepackten und vergessenen Weihnachtsgeschenken der Emma von Hohenbüssow, Gründerin des Lügenmuseums. Die Sammlung „sinnloser Weihnachtsgeschenke“ landete nach der Entrümpelung auf der Müllkippe. Ein wandernder Künstler fand die Reste und begann zu recherchieren. 

 

EMMA VON HOHENBÜSSOW

№ 9

In der Realität war Emma ein Huhn, schlüpfte in Hohenbüssow aus einem Ei und wurde am Abend ihres Lebens als Museumsdirektorin rekrutiert. Sie flüchtete statt über die Mauer in ein deutschlandweit konkurrenzloses Refugium: in ein Museum skurriler Art. Wohl fraglos ein facettenreiches wie komisches Unternehmen. In ihrem literarischen Werk beobachtete sie die menschliche Zivilisation durch die Perspektive ihrer flinken Augen. 

Foto: Ralf Herzig

 
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Foto: André Wirsig

NATIONAL-THERAPEUT

№ 10

Richard von Gigantikow, Kurator des Lüseums, erforschte als Nationaltherapeut die Abgründe deutscher Befindlichkeiten. Sein Forschungsgebiet: Nationalismus, eine regional verbreitete Hysterie, durchaus heilbar. Künstler sind für diese Heilkünste besonders prädestiniert, denn sie können mit den Gefühlen spielen, sie können auch die Wut dressieren, die die Bürger auf die Straße treibt.